En nog een stukje

Rocklegende Meat Loaf begeisterte bei einzigem Europakonzert in Köln
Magische Momente - und viel Bombast
Meister der großen Rock-Posen: Meat Loaf
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Köln - Es war die Frage, die viele Männer fürchten: "Wirst Du mir treu bleiben oder treibst Du Dich irgendwann mit anderen Weibern rum?", rätselte Sängerin Patricia Russo im Duett mit Meat Loaf. Er konnte nur verlegen grinsen und hilfesuchend in den Saal schauen.
Und das Publikum im ausverkauften Theater am Tanzbrunnen ließ den 55-jährigen Rockstar nicht hängen: Es sang lautstark den Refrain mit: "Nein, das werde ich nicht!" - "I'll never do that!" - Einer von den magischen Momenten im einzigen Europakonzert des Rocksängers am Montagabend in Köln.
Ein reichlich emotionaler Abend
Es war ein reichlich emotionaler Abend, den der stimmgewaltige Amerikaner mit dem bürgerlichen Namen Marvin Lee Aday seinen Fans in der Domstadt gönnte. Auf dem Programm standen die großen Hits seiner 35 Jahre andauernden Karriere, dazu die Konzertweltpremiere des neuen Songs "Did I say that". Meat Loaf gilt als einer der erfolgreichsten Solo-Rockmusiker. Allein sein Debütalbum "Bat out of hell" verkaufte sich über 25 Millionen Mal. Der Durchbruch gelang ihm Mitte der 70er Jahre als im wahrsten Sinne des Wortes gehirnamputierter Rocker Eddie im Kultfilm "Rocky Horror Picture Show".
...und pumpte sich das Adrenalin aus den ersten Reihen auf die Bühne
In seinen fetten Jahren hatte Meat Loaf 40 Kilogramm mehr auf den Rippen - und wirklich schlank ist er auch heute nicht. Doch die Zeiten, in denen Meat Loaf während seiner Konzerte regelmäßig künstlich beatmet werden musste, sind längst vorbei. In Köln stampfte er entschlossen über die Bühne, pumpte sich das Adrenalin aus den Reihen vor der Bühne hoch.
Das Wechselspiel zwischen den wuchtigen, großen Balladen und dem schnellen Rock beherrscht der stimmgewaltige Gelegenheitsschauspieler wie kaum ein anderer. Und immer waren da die großen Posen, die exaltierten Gesten des dreieinhalb-Oktaven-Sängers.
"Oh, das ist jetzt dramatisch, oder?"
Mal fasste er sich verzweifelt an den Kopf, mal griff er nach dem Mikrophon wie ein Ertrinkender nach dem Rettungsring. Wobei der Meister mit dem musikalischen Bombast durchaus kokettieren kann: "Oh, das ist jetzt dramatisch, oder?" Ebenfalls nicht ganz ernst gemeint: die Erklärung für sein Verhalten in der ZDF-Show "Wetten, dass ...", in der er am Samstag Moderator Thomas Gottschalk mit einem spontanen Kuss völlig überrumpelt hatte: "Thomas ist so verdammt sexy, da musste ich einfach küssen."
Junge Band entstaubte pomadige Meat Loaf Klassiker
Zu diesem Zeitpunkt hatte er sein Publikum schon so fest im Griff, dass es auf ein Fingerschnipsen reagierte. Minutenlang übernahm der Saal den Gesangspart der Klassiker, worüber der hartgesottene Rocker sein Erstaunen kaum verbergen konnte. Vor lauter Spielfreude fiel auch schon mal das hässliche "F-Wort", wenn Meat Loaf beim Gitarrensolo der Band nicht zum Zuge kam. Die war bemerkenswert jung, was den doch mitunter etwas pomadigen Meat Loaf Klassikern gut anstand.
Mittlere Jahrgänge hatten die abgewetzten Lederjacken herausgeholt
Die ganz jungen Rockfans suchte man in Köln vergeblich, statt dessen hatten die mittleren Jahrgänge ihre abgewetzten Lederjacken herausgeholt. Tröstlich: Zu einem Meat-Loaf-Konzert darf man inzwischen auch im Strick-Pullunder gehen. Das aus ganz Europa angereiste Publikum bekam die Lektion, dass Rock'n' Roll Blut, Schweiß und Tränen bedeuten kann - eine Erfahrung, die gecastete Erfolgsbands wie die No Angels, Bro'Sis oder Deutschlands angehende "Superstars" so wohl nie machen werden.
"Hört niemals, niemals auf zu rocken!"
Nach zweieinhalb Stunden beendete Meat Loaf das Konzert so, wie er es seit 30 Jahren immer macht: Mit dem leidenschaftlichen Appell ans Publikum: "Hört niemals, niemals auf zu rocken!"